Edmund Hartsch: Warum brachte der Düsseldorfer Express eigentlich ständig irgendwelche Nachrichten über den rechtsradikalen Torsten Lemmer, [...] den 23-jährigen "Jungpolitiker" der FWG, eines komischen rechten Klüngels? [...] Wieso durfte Lemmer immer behaupten, ein Freund der Onkelz zu sein und dass sie bei irgendwelchen rechten Treffen auftreten würden? [...] Der Düsseldorfer Express berichtete grundsätzlich so, als wenn es tatsächlich eine Meldung wert wäre, was dieser Lemmer so anstellte, und zusätzlich nannte er stets die Böhsen Onkelz im gleichen Artikel. Konnte es sein, dass der Express hier eng mit Lemmer zusammenarbeitete, um die Böhsen Onkelz zurück ins rechte Meinungsspektrum zu ziehen? Absichtliche Leserverarschung? Man musste davon ausgehen, denn bei den B.O.-Konzerten flog Lemmer, nachdem man einmal wusste, wie er aussah, achtkantig raus. Keiner gab einen Scheiß auf diesen Menschen [...]. Immer wieder nannte man die Düsseldorfer Nazi-Fraktion, deren Name in diesem Buch keinen Platz finden wird [= Störkraft], in einem Atemzug mit den Böhsen Onkelz, sogar 1996 noch. [...] Die Erklärungs- und Aufklärungsversuche der Böhsen Onkelz waren seit sage und schreibe zehn Jahren ignoriert oder boykottiert worden, und als diese Düsseldorfer Fascho-Band, die noch bis in die neunziger Jahre übelsten Rassenhass predigte, sich über Nacht von den "Mordbrennern" aus Mölln und Solingen distanzieren wollte, da durfte ihr Manager [= Lemmer] sogar in einer Talkshow des NDR auftreten und einen feinziselierten Hakenkreuzpullover tragen. Sicher, auch eine Art von Berichterstattung, aber um welchen Preis?
"böhse onkelz - danke für nichts", 1997
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