Edmund Hartsch: Diffuse politische Bekenntnisse, jedoch eindeutig rechtsradikaler Natur, konnte man am 22. und 23. August 1992 in Rostock-Lichtenhagen hören. Ein Mob, der sich aus hunderten von Anwohnern und Jugendlichen zusammensetzte, steckte eine Asylunterkunft in Brand und bedrohte deren Bewohner. Die skandalöse Passivität der Polizei löste in ganz Deutschland eine Welle beispielloser Empörung aus. [...] Mit den Böhsen Onkelz hatte es deshalb etwas zu tun, weil auch in Rostock-Lichtenhagen 15- bis 20-Jährige dabei waren, die Onkelz T-Shirts trugen und Steine warfen. Über die Mitschuld dieser Jugendlichen am bundesdeutschen Gesamtklima konnte man sich streiten. 100 Prozent schuldig, im Sinne des Verstoßes gegen das Leben und die Nächstenliebe, machten sich ausgewachsene, volltrunkene Deutsche, die in Pantoffeln und vollgeschifften Jogging-Hosen "Sieg Heil"-rufend durch die Gegend liefen und den Hass schürten. Schuldig im Sinne des Verstoßes gegen die Menschenrechte und die Gerechtigkeit machten sich Politiker, die den Rechtsruck auslösten und diejenigen, die ihn absolut souverän parierten.
"böhse onkelz - danke für nichts", 1997
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