Edmund Hartsch: Der November '85 brachte ein weiteres Skinheadkonzert in Berlin und das offizielle Ende der Böhsen Onkelz als Glatzenband. [...] Bei diesem Gig jedoch gingen schon zu Beginn der Show die Arme zum Hitlergruß in die Luft. [...] Auch Stephan trank wie ein Loch und prügelte, wenn er sich angegriffen fühlte, aber dennoch war ihm die rechtsradikale Argumentation zu primitiv und zu albern. [...] Stephan machte gute Mine zum bösen Spiel, aber die "Ausländer raus"-Rufe und die erhobenen rechten Arme waren für ihn ein Schlüsselerlebnis. Die Sonne der Kultur stand niedrig, wen wunderte es da, dass Zwerge lange Schatten warfen. Sie würden gehen, und Kevin würden sie mit sich nehmen. Nach dem Konzert saßen sie hinter dem Vorhang und schnaubten vor Wut. Dieses ewige dumme Gelaber. Dieses ewige Gehetze und Getratsche, sogar untereinander. Die Skinheadszene war verloren, der Skinheadkult war tot. Die junge Arbeiterklasse, falls es so etwas je gegeben hatte, hatte ihre Seele verkauft, als sie damit begann, auf sozial Schwächeren rumzuhacken, anstatt sich weiterhin gegen Autoritäten aufzulehnen. Dieser Teil der Jugend war am äußersten rechten Rand der Rebellion angelangt, und trotz all ihres Stolzes und ihrer vermeintlichen Vorliebe für Gerechtigkeit, hatten sie wieder einmal dem Teufel den Arsch geküsst.
"böhse onkelz - danke für nichts", 1997
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